Gestern Abend fand vor zahlreichen Gästen ein anregendes Gespräch zwischen der Künstlerin Naomi Leshem und Gastkurator Damian Christinger statt. Und zwar unter dem Titel «Guanyin und das Stockholm Syndrom» vor Naomi Leshems Werk, einer Fotografie der Guanyin Statue mit dem Titel «Der Mensch erschafft seinen Gott». Es ging unter anderem um die Daseinsberechtigung des von ihr gewählten Sujets, der Guanyin-Statue, im Museum Rietberg, die vor langer Zeit von ihrem gewohnten Platz in einem buddhistischen Tempel in China entwendet wurde und nun in einem Schweizer Museum – ausserhalb ihres ursprünglichen Kontextes – ausgestellt ist. Ist es richtig, diese Statue hier auszustellen oder müsste man sie wieder zurückgeben? Wäre die Statue heute überhaupt noch existent, wenn man sie nicht vor den Roten Garden «gerettet» hätte? Ist es nicht auch der Auftrag eines Museums, dieses Kulturgut auch der westlichen Kultur und zum Beispiel vielen Schulklassen zugänglich zu machen, wie es im Museum Rietberg geschieht? Eine abschliessende Antwort auf diese Fragen konnten und wollten die beiden Gesprächspartner nicht geben, diskutierten sie jedoch engagiert mit Einbezug des Publikums.

Zudem gewährte Naomi Leshem Einblicke in ihre Arbeit und in ihr Verständnis vom Künstlersein. Was ist der Unterschied zwischen «artist» und «artisan», wo wie sie erläuterte, der Unterschied der Begriffe im Hebräischen noch kleiner ist («אמן» und «אומן»)? Lässt sich dieser Unterschied so genau ziehen oder sind die Übergänge fliessend? Naomi Leshem ist Zeitgenössische Künstlerin, auch in der Art wie sie arbeitet (u.a. konzeptuell), wäre aber auch gerne in einer früheren Zeit Künstlerin gewesen, wo Kunst noch «einfach schön» sein durfte, wie sie augenzwinkernd ausführte.

Die Veranstaltung wurde vom Verein Omanut mitorganisiert.